ASS – wenn das Gehirn sein eigenes Betriebssystem hat

ASS steht für Autismus-Spektrum-Störung. Klingt erstmal ziemlich wissenschaftlich. Bei uns könnte man auch sagen: Das Gehirn läuft – aber mit einer etwas spezielleren Software.

Menschen mit ASS nehmen ihre Umwelt oft anders wahr. Geräusche können plötzlich gefühlt auf Lautstärke „Presslufthammer“ stehen, Gerüche können zur persönlichen Kriegserklärung werden und eine kleine Veränderung im Tagesablauf kann sich anfühlen wie: „Moment! Wer hat hier ohne meine Genehmigung das ganze Drehbuch umgeschrieben?“

Dafür gibt es häufig Dinge, die unglaublich faszinieren. Bei uns zum Beispiel Wetter und der menschliche Körper. Während andere Kinder vielleicht wissen, welcher Fussballspieler gerade wo spielt, kann unser kleiner Kapitän ziemlich genau erklären, wie ein Gewitter entsteht oder welche Knochen wo im Körper sitzen. Jeder hat eben seine Spezialgebiete. 

Auch soziale Situationen können manchmal knifflig sein. Was für uns völlig logisch erscheint, ist für einen Menschen mit ASS nicht automatisch selbsterklärend. Ironie, versteckte Botschaften, Gesichtsausdrücke oder dieses ominöse „Du weisst schon, was ich meine“ können ungefähr so hilfreich sein wie eine Bedienungsanleitung auf Klingonisch.

Und nein: ASS bedeutet nicht, dass jemand keine Gefühle hat. Ganz im Gegenteil. Gefühle können sehr intensiv sein – nur der Weg, sie zu verstehen, auszudrücken oder zu verarbeiten, kann anders aussehen.

Kurz gesagt: ASS ist keine Krankheit, die einen Menschen definiert. Es ist eine andere Art, die Welt wahrzunehmen, zu denken und zu erleben. Und manchmal braucht es dafür einfach etwas mehr Zeit, klare Worte, Verständnis und Menschen, die nicht sofort denken: „Also mein Kind würde das ja nie machen…“ Doch. Dein Kind würde es vielleicht einfach nur anders machen. 

Bei uns in der Villa Wahnsinn gilt deshalb: Wir versuchen nicht, unseren kleinen Kapitän passend zu machen. Wir versuchen, die Welt ein bisschen passender für ihn zu machen.